VATERSCHAFTSGUTACHTEN / A – Analytische Fragestellungen

Analytische Fragestellungen

Die Mehrzahl der vor Gericht verhandelten Abstammungsfälle sind Vaterschaftsklagen. Während die meisten von ihnen inzwischen Routinefälle darstellen, gibt es doch immer wieder Problemfälle, deren Bearbeiten erhöhten rechnerischen und praktischen Aufwand aber auch das Verfolgen fester vorgegebener Regeln fordert. In den folgenden Kapiteln werden einige typische Fragestellungen geschildert.

Der Normalfall

Der Normalfall

In der Regel stehen bei der Vaterschaftsanalyse ein oder mehrere Putativväter zur Auswahl. Zur Klärung der Frage, ob es sich oder bei wem es sich um den biologischen Vater handelt, wird eine Analyse mit 20 unterschiedlichen DNA-Markern durchgeführt. Es handelt sich dabei um so genannte Mikrosatelliten, die national und international in der Vaterschaftsbegutachtung getestet worden sind (nähere Erläuterungen siehe unter Analysemethoden).

Abbildung 1: Stammbaum mit einem Putativvater

Abbildung 2: Stammbaum mit mehreren Putativvätern

Bei der Vaterschaftsanalyse kann es alternativ zu folgenden Ergebnissen kommen:

  • Der oder die Putativväter werden von der Vaterschaft ausgeschlossen.

    Der oder die Putativväter werden von der Vaterschaft ausgeschlossen. Ein Ausschluss des Putativvaters liegt vor, wenn er mit mindestens drei Markern zu dem Kind erfolgt ist. Erst ein so erhaltener Ausschluss wird als sicher anerkannt. Um eine Probenverwechslung auszuschließen, wird bei jeder ausgeschlossenen Vaterschaft die Analyse von Anfang an wiederholt.

  • Einer der Putativväter wird nicht ausgeschlossen.

    Wird ein Vater nicht ausgeschlossen, so erfolgt eine biometrische Berechnung der Vaterschaftswahrscheinlichkeit. Für die Vaterschaftswahrscheinlichkeit W gelten die folgenden Bewertungskategorien:

Der Zuwachs der Vaterschaftswahrscheinlichkeit W (%) um eine Neun hinter dem Komma entspricht der Erhöhung der Hinweisdichte um eine Zehnerpotenz.

  • Gemäß der Richtlinien für die Erstattung von Abstammungsgutachten erreichen unsere Analysen eine Vaterschaftswahrscheinlichkeit von mindestens 99,99 %.

  • Die Aussagen gelten immer unter der Annahme, dass keine nicht bekannten Verwandtschaftsverhältnisse vorliegen.

  • Die Aussagen gelten immer unter der Annahme, dass keine nicht bekannten Verwandtschaftsverhältnisse vorliegen.

Spezialfälle der Vaterschaftsanalyse – der isolierte Ausschluss

Kommt es in einem oder zwei Markern zu einem Ausschluss, so spricht man von einem isolierten Ausschluss. Es wird angenommen, dass in den Keimzellen des biologischen Vaters an dem entsprechenden Genort eine Mutation stattgefunden hat. Dieses Ereignis täuscht einen Ausschluss nur vor. Die Häufigkeit solcher Mutationen in den untersuchten Mikrosatelliten kennt man inzwischen sehr genau, so dass die beschriebene Verfahrensweise statistisch abgesichert ist. Die Empfehlungen der Deutschen Bundesärztekammer raten im Falle eines isolierten Ausschlusses zur Anwendung eines weiteren akzeptierten Mikrosatellitensatzes. So wird letztlich auch beim isolierten Ausschluss eine Vaterschaftswahrscheinlichkeit von mind. 99,99 % erreicht. Dieser Einsatz weiterer Marker geschieht bei jedem isolierten Ausschluss und ist für den Auftraggeber kostenfrei.

Abbildung 1: Stammbaum mit isoliertem Ausschluss

Spezialfälle der Vaterschaftsanalyse – der Defizienzfall

Abbildung 2: Einfacher Defizienzfall ohne Mutter

Abbildung 3: Komplizierter Defizienzfall

Bei einem Defizienzfall erreicht man in der Regel mit dem normalen Markersatz nicht die gewünschten Aussagesicherheiten von 99,99%. Die Deutsche Bundesärztekammer empfiehlt daher auch hier den Einsatz weiterer anerkannter DNA-Marker. In einigen Fällen werden auch geschlechtsspezifische Marker untersucht. Es handelt sich dabei um Mikrosatelliten, die auf dem Y-Chromosom (bestimmt das männliche Geschlecht) oder dem X- Chromosom (bestimmt in doppelter Ausführung das weibliche Geschlecht) lokalisiert sind.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte das Labor für Abstammungsbegutachtungen.

Kontakt

+49 2226 871650

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